Chronik 25 Jahre Bibliothek

Die Bibliothek als grosses Webstück

Eine Bibliothek kann mit einer grossen Webarbeit verglichen werden: Am Anfang braucht es viel Zeit bis der Webstuhl bereit ist zum Weben, alle Fäden müssen eingefädelt werden und das Muster richtig eingerichtet sein. In Aadorf dauerte es ca. 20 Jahre von den ersten Anstössen bis zur Realisierung der Bibliothek. 2015 nun feiert die Gemeinde- und Schulbibliothek ihr 25jähriges Bestehen.

1989 konnte ein geeigneter Raum im ehemaligen Postgebäude gefunden werden und der Wille das nötige Geld aufzubringen war in der Bevölkerung vorhanden. Im September 1990 war es dann soweit, die Bibliothek wurde eröffnet. Bereits im April 1991 konnte der 1000. Leser gefeiert werden. Heute ist die Bibliothek sicher nicht mehr wegzudenken im Dorf, wenn man bedenkt, dass in Spitzenjahren jährlich ca. 43’000 Medien ausgeliehen werden.

Das Webstück „Bibliothek“ wurde immer grösser, mit ca. 5'000 Büchern wurde damals die Bibliothek ausgestattet, heute stehen ca. 13'500 Medien bereit, davon 80% Bücher. Die Bibliothek hat sich zu einer modernen, aktuellen Mediathek entwickelt, nach und nach wurden Zeitschriften, Tonbandkassetten für Kinder und Jugendliche angeschafft, CDs, Hörbücher und im Jahr 2003 auch DVDs. Aktuell werden jährlich neben den Büchern ca. 1'032 Filme, 2'629Hörbücher und 1'345 Musik-CDs ausgeliehen. Die fleissigsten Bibliotheksbesucher sind seit eh und je die Kinder und Jugendlichen.

Die Bibliothek sollte auch mit Büchern einheimischer Autoren bestückt werden. Durch Schenkungen, z.B. Geschichtsbücher zu Aadorf von Albert Knöpfli, eine grosse Anzahl Bücher von Alja Rachmanova und des Theologen August B. Hasler, wurde dieses Ziel bald erreicht. So fand ein Gestell mit lokaler Literatur einen festen Platz in der Bibliothek.

Die Zusammenarbeit mit der Schule war ein wichtiges Anliegen, erstens sollen die Kinder möglichst früh mit einer Bibliothek in Berührung kommen und zweitens soll eine Bibliothek möglichst oft benutzt werden. Diese Zusammenarbeit funktioniert bis heute gut und ist fester Bestandteil des Stundenplans. Im Jahre 2013 besuchten 21 Schulklassen, vom 2. Kindergartenjahr bis zur 6. Klasse, regelmässig mit ihren Lehrpersonen die Schulbibliothek

Vielfältiges Veranstaltungsprogramm

Besonders farbige Partien im Webstück „Bibliothek“ sind die Veranstaltungen. So wurden im Laufe der Jahre bekannte, aktuelle und interessante Autoren nach Aadorf eingeladen. Unter anderem Milena Moser, Prof. Wilhelm aus Zürich sprach über Dürrenmatt und Frisch, Bruno Manser, Helmut Hubacher, Roger Graf mit seinem ersten „Maloney“-Krimi, Endo Anaconda oder Schreiber vs. Schneider. Anlässe für Gourmets waren die Lesung mit Kochbuchautorin Annemarie Wildeisen oder die Weindegustation mit wertvollen Informationen und Geschichten zum Thema Wein. Beliebte Literatur-Matinées und Bücher-Apéros, eine Gelegenheit sich über die Neuerscheinungen und Bestseller zu informieren, gehörten mit der Zeit zum Jahresprogramm.

Unter dem Motto „Kunst in der Bibliothek“ fanden im Laufe der Jahre einheimische Künstler einen Ausstellungsraum. Den Auftakt machte Anton Schäfli Zanvit, gefolgt von Alfred Meier, Scherenschnitte von Cécile Hermann verschönerten die Bibliothek, Batikbilder, Oberstufenschüler stellten ihre Fotos aus, usw. Im Moment zieren die Bilder von Susanne Müller-Wälti die Wände der Bibliothek.

Für die Kinder und Jugendlichen wurden immer wieder ein paar Glitzerfäden und Pailletten ins Webstück eingewebt. Sie konnten Federica de Cesco kennenlernen, sowie Comics-Zeichner und Zauberer. Erzählnächte mit spannenden Programmen, an denen bis zu 70 Kinder teilnahmen, wurden organisiert. Erste selbst verfasste Texte konnten veröffentlicht werden, Panini-Bildchen Tausch-Nachmittage fanden in der Bibliothek statt und vieles mehr. Wer aber alle Rahmen sprengt ist Corinne Alder: Seit 1992 erzählt sie jeweils anfangs Jahr jeden Mittwoch-Nachmittag den Jüngsten Märchen und die ungebrochene Beliebtheit dieser Märchenstunde spricht für sich. Verschiedene Veranstaltungen wurden auch zusammen mit dem „GONG“ oder der Schule organisiert.

Bibliothek im digitalen Zeitalter

Mit welcher Farbe wurde die IT eingewebt? Am Ehesten mal hell mal dunkel. Von Anfang an wurde mit einem einfachen EDV-System gearbeitet, damals noch eher eine Seltenheit. 9 Jahre lang genügte es bis es an seine Grenzen stiess. Die Anschaffung und Einführung eines neuen Systems war eher eine schwierige Sache. Ende gut, alles gut mit der Software „NetBiblio“, die bis heute im Einsatz ist. 2010 wurde eine eigene Homepage eingerichtet, das Internet war angekommen. Der nächste Schritt war die Aufschaltung des Bücherkataloges im Internet.

Im Jahre 2013 schloss sich die Aadorfer Bibliothek dem Verbund der Digitalen Bibliothek Ostschweiz (dibiost) an, in dem Bibliotheken der Kantone Appenzell, St.Gallen Thurgau, Glarus, Graubünden,Schaffhausen, Zürich und das Fürstentum Lichtenstein vernetzt sind. Aus allen angeschlossenen Bibliotheken können nun ohne Zusatzkosten digitale Medien auf den PC, den e-Reader, das Tablet oder das Smartphone heruntergeladen werden. Seit Oktober 2014 haben die Bibliotheksbenutzer per Internet Zugang zu ihrem Kundenkonto - die Bibliothek ist definitiv im digitalen Zeitalter angekommen.

Engagierte Bibliothekarinnen

Nun ist es Zeit für ein paar dickere, markante Fäden im Webstück. Die wichtigsten Akteurinnen in der Aadorfer Bibliothek waren und sind die Bibliothekarinnen. Der Erfolg einer Bibliothek ist nur möglich, wenn der Medienbestand aktuell ist, wenn Kinder und Jugendliche fürs Lesen begeistert werden können, wenn interessante Veranstaltungen organisiert werden und der Betrieb möglichst reibungslos funktioniert. Dies ist sicher gelungen dank dem unermüdlichen, zum Teil auch unentgeldlichen Engagement der Bibliothekarinnen.

Die ersten neun Jahre war ein eingespieltes Team mit Marianne Buser und Vreny Seeberger unter der Leitung von Silvia Keller am Werk. Darauf folgten Jahre mit fleissigeren Wechseln zu Susanna Jäggi und Brigitta Gerig. Von 2005 bis 2010 führte eine Co-Leitung mit Renate Flückiger und Barbara Sigrist die Bibliothek und seit 2010 ist Renate Flückiger alleinige Leiterin. Jedes Jahr standen auch Weiterbildungen auf dem Plan, wollte man doch nicht stehen bleiben und gut informiert sein.

Anfänglich wurde die Bibliothek durch eine Bibliotheks-Kommission beaufsichtigt, seit 1996 ist die Bibliothek in die Kulturkommission integriert. Ein Dankeswort gehört den zahlreichen Kommissionsmitgliedern in all den Jahren, die immer offen waren für Neuerungen und Ausbau, d.h. das nötige Geld bewilligten. So zum Beispiel für den grossen Umbau im Jahr 2005. Damit ging ein von Anfang an gehegter Wunsch, eines ebenerdigen Bibliothekseingangs, in Erfüllung.

Das Webstück „Bibliothek“ wird weiter gewebt, hoffen wir, dass es noch lange nicht fertig ist und so farbig und vielfältig bleibt wie in den letzten 25 Jahren.

Silvia Keller, Bibliotheksleiterin 1990 - 1999

Chronik geschrieben anlässlich des Jubiläums 25 Jahre Gemeinde- und Schulbibliothek Aadorf
13. März 2015